Projekte


HOLLYWOOD im Innviertel

 

 

Kreative Prozesse sind für Edda Holly im Rahmen ihrer Arbeit als Betreuungslehrerin immer schon wichtig gewesen. Nach ihrer Ausbildung zur „Kreativtrainerin“ hat sie sich selbst einen Traum verwirklicht: Sie gestaltet ihr eigenes Atelier mit einem Stück Wald, in dem sie für Kinder und Jugendliche Workshops anbietet. Nach dem Start des Projektes im September 2015 sind die ersten Erfahrungen für alle beeindruckend. Edda Holly stellt ihr Projekt HOLLYWOOD vor.

 

Wenn ich im Rahmen von sozialem Lernen mit Klassen arbeite, biete ich sehr oft Spiele in der Klasse, Bewegungsstunden im Turnsaal oder Outdoor-Erlebnisse an. Dabei ist es immer wieder beeindruckend, wie im sozial-kreativen Tun Lösungen plötzlich da sind, ohne dass wir sie gezielt erarbeiten müssen. Diese Vorgänge faszinieren mich. Angeregt durch meine Ausbildung zur Kreativtrainerin habe ich auch versucht, kreatives Werken in die Schule zu integrieren. Doch schnell spürte ich die Grenzen: zu wenig Zeit, fehlende Ausstattung im Werkraum, Materialien, die hergeschleppt werden müssen usw.. Der schulische Werkunterricht ist ergebnisorientiert, es ist wenig Platz zum Experimentieren, schnell werden „Erwachsenenlösungen“ angeboten. Das Ergebnis muss vorzeigbar sein und wird beurteilt. Die Kreativität, die ich meine, hat hier wenig Platz.

 

Es entstand in mir ein starkes Bedürfnis, eine eigene vorbereitete Umgebung zu schaffen: eine eigene Werkstatt außerhalb der Schule. Da ergab sich die Gelegenheit: Ich erwarb ein kleines Stück Wald und richtete in einem Bauernhof in der Nähe mein Atelier ein. Es entwickelte sich das Projekt HOLLYWOOD.

 

Das Projekt

Es geht darin um die Förderung des Naturerlebnisses und der Kreativität im Wald und in der Werkstatt „In der Linn“. Die Idee ist, eine vorbereitete Umgebung zum Experimentieren zu bieten - das kreative Denken kommt dann von den Kindern selbst. Sie werden angeregt, eigene Ideen zu entwickeln und an den entstehenden Problemen weiterzudenken und zu arbeiten.

Kreatives Tun in diesem Sinne fördert die Ich-Stärke, ermöglicht ein Flow-Gefühl, macht offen für die Suche nach Lösungen, beseitigt Langeweile und erhöht die Selbstwirksamkeits-Erfahrung.

 

Der Wald

Das ca. ein Hektar große Waldstück in Vocking nahe Eberschwang animiert Kinder und Jugendliche, ihre Erlebnisräume selbst zu gestalten: sie bauen Lager oder Spielgelegenheiten und sie setzen Bäume . Der naturbelassene Mischwald bietet durch seine Artenvielfalt und den daraus resultierenden unterschiedlichen Eindrücken einen nahezu unerschöpflichen Quell der Inspiration.

 

Der Hof

Die Werkstatt ist in Waldesnähe auf dem Bauernhof „Moritz in der Linn“ untergebracht. Der Hof liegt auf einer Anhöhe mit Blick ins Innviertel. Die ehemaligen Stallungen wurden renoviert, adaptiert und als Atelier ausgestattet. In diesem Atelier werden die Ideen verfeinert, es wird miteinander gewerkt, gegessen, gespielt …. Alles ist einfach gestaltet, es wird improvisiert.

Mein Slogan ist: Die besten Dinge beschert uns der Zufall!

 

Die Erfahrungen

Von Anfang an stößt das Projekt auf reges Interesse bei Lehrern und Lehrerinnen, Eltern und Schülern und Schülerinnen. Sehr beeindruckend sind für mich die Erfahrungen mit den zwei KESO-Klassen mit insgesamt 11 Buben (siehe Info-Kasten): Im Rahmen meiner Betreuungsarbeit kommt jede Klasse einmal im Monat zu mir in den Wald, die restlichen Termine verbringen wir an der Schule mit Vor- und Nachbesprechung. Bei den Schülern sprudeln die Ideen nur so, doch es braucht Geduld und die Kraft, dranzubleiben, um die Ideen umsetzen zu können. Dies ist besonders für die kleineren Schüler eine Herausforderung - zu schnell geben sie auf, zu wenig vertrauen sie ihren Fähigkeiten. Bei den größeren Schülern liegt die Herausforderung eher im sozialen Bereich: Kann ich meine Ideen einbringen und gleichzeitig anderen Raum geben? Es herrscht eine Grundstimmung der Konkurrenz und ich höre immer wieder Aussagen wie: „Des is a Blödsinn, wie du des machst.“ oder „Mach ma' s so wie i will“. Doch dazwischen gibt es  Momente der Freude darüber, gemeinsam etwas geschafft zu haben. Ziel ist, diese Eindrücke bewusst erlebbar zu machen mit der Erkenntnis: Es tut gut zusammenzuarbeiten. Wir versuchen die Schüler bestmöglich beim Umsetzen ihrer Ideen zu begleiten, denn eine Vision zu realisieren gibt Auftrieb und macht Stolz. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Begeisterung selber zu kennen hilft ungemein. So erklärte mir eine Kollegin: „Du bist selber so begeistert von deiner Arbeit, das steckt an.“

 

Für alle Kinder und Jugendlichen, die so viele Stunden vor den elektronischen Geräten sitzen, ist es eine Herausforderung, im Wald zu sein - angefangen vom Auswählen der richtigen Kleidung bis zum Aushalten der Ruhe und Langsamkeit - der Wald ist ein Meister der Langsamkeit. Doch wenn die Kinder in diese Welt eintauchen, werden sie selbst ruhiger. Es scheint, dass der Wald ein Urbedürfnis von uns Menschen anspricht. So meinen Schüler/-innen am Ende eines Workshops, es hätte noch viel, viel länger dauern können.

 

Edda Holly ist Sonderpädagogin, Betreuungspädagogin, Montessoripädagogin, klientenzentrierte Kinder- und Jugendtherapeutin und Kreativtrainerin.

 

Fotos: Aus Werkstatt und Wald: Nina Holly

 

Schüler/-innenfoto: privat (Edda Holly, bzw. Klassenlehrer/-innen)

Aussagen der Lehrerinnen der KESO-Klassen zum Projekt Hollywood nach zwei Waldterminen:

 

1a- Unterstufe: Theresa Lughofer

Unsere Schüler werden besonders im sozialen und emotionalen Bereich gefördert und da stellt das Projekt HOLLYWOOD eine ideale Ergänzung zur ganzheitlichen Lernbetreuung dar.

Die Schüler erleben im Wald viele Lernsituationen“. Sie arbeiten miteinander und ziehen sich bei Bedarf wieder zurück. Der Wald bietet genug Platz und Stille um sich zu beruhigen. Durch die körperliche Arbeit können die Schüler den Umgang mit Wut und Aggression kontrollieren lernen.

 

2a- Oberstufe: Bernadette Miller

Der Aufenthalt und das Arbeiten im Wald stellt für unsere Schüler eine völlig neue Herausforderung dar:

                     Eine neue ungewohnte Umgebung, in der ich mich zurechtfinden soll

                     Arbeiten an Projekten oder Dingen, die ich mir selbst suchen kann und für die ich auch weitgehend Verantwortung übernehme

                     Die Arbeit kann ich alleine oder auch mit Hilfe anderer ausführen, ich bin  gefordert, mir Hilfe zu organisieren und in einer Gruppe zu arbeiten

Das Projekt HOLLYWOOD bietet Lernen in der freien Natur auf verschiedensten Gebieten an. Es ist sozusagen das perfekte „ganzheitliche Projekt“ und individuell auf die Bedürfnisse der Schüler abstimmbar. Und es schafft sehr viel Freiraum.

 

Der Erwerb sozialer Kompetenz, richtiger Umgang mit einfachen Werkzeugen, den Wald und seine Besonderheiten kennen lernen und daraus für`s Leben lernen, das sind einige Kernpunkte dieses Projekts!

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